Der Strompreis – Wie setzt er sich zusammen?

"Wie kommt eigentlich der Strompreis zustande?"
Diese oder ähnliche Fragen haben Sie sich bestimmt auch schon einmal beim Anblick ihrer Stromrechnung gestellt. Wahrscheinlich lautete Ihre Antwort "Keine Ahnung, da blickt doch eh kein Mensch durch".
Kein Wunder, denn der Preis des Stroms ist längst nicht nur ein Produkt aus Tarif und Mehrwertsteuer, sondern setzt sich aus vielen verschiedenen Posten zusammen.

 

Die drei Strompreis-Hauptbestandteile

Der Strompreis setzt sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen. Diese sind:

  1. der Preis für Energieerzeugung, Beschaffung und Lieferung
  2. der Preis für die Netznutzung (das Netznutzungsentgelt, Netzentgelt)
  3. diverse Abgaben, Umlagen und Steuern

Energieerzeugung, Beschaffung und Lieferung

Dieser Bestandteil wird größtenteils an sogenannten Strombörsen bestimmt. Strombörsen sind Großhandelsmärkte für Strom, an denen Energieerzeuger und Energieversorger zeitlich abgegrenzte Strommengen verkaufen und einkaufen. In Deutschland ist das z.B. die EEX-Börse Leipzig.
Neben Kosten für CO2-Emissionsrechte enthält dieser Bestandteil auch den Gewinnanteil des Stromversorgers.

Netznutzung

Das Netznutzungsentgelt ist ein gesetzlich reguliertes Entgelt, das von Stromnetzbetreibern für die Durchleitung von Strom durch ihre Netze zu den Verbrauchern erhoben wird. Es enthält unter anderem die Kosten für den Aufbau, den Betrieb und die Instandhaltung von Stromnetzen. Die Netzbetreiber sind seit 2005 verpflichtet, ihre Netzentgelte auf Basis der angezeigten Kosten von der Bundesnetzagentur genehmigen zu lassen.

Abgaben, Umlagen und Steuern

2013 bestimmten schon 7 verschiedene Umlagen, Abgaben und Steuern den dritten Anteil des Strompreises. Seit Anfang 2014 kam eine weitere, die "Abschalt-Umlage", hinzu:

Konzessionsabgabe
Die Konzessionsabgabe ist ein Entgelt, das an Gemeinden gezahlt wird für die Einräumung von Wegerechten für z.B. Bau und Betrieb von Stromleitungen.

Stromsteuer (im Volksmund: Ökosteuer)
Diese Steuer wird seit 1999 ursprünglich zur Förderung klimapolitischer Ziele erhoben. Tatsächlich fliessen die Einnahmen fast ausschließlich in die Rentenkasse.

KWK-Umlage
Diese Umlage existiert seit dem Jahr 2000 und dient der Förderung der Stromerzeugung aus Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung.

EEG-Umlage
Die Umlage zur Förderung der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien. Ökostrom wird den Produzenten zu den gesetzlich festgeschriebenen Preisen abgenommen. Diese liegen über den Markttarifen. Die Differenz wird über die EEG-Umlage von den Verbrauchern bezahlt.
Weiterführende Informationen finden Sie im Artikel "Die EEG-Umlage, Bestandteile und Prognosen ab 2014".

§19 Umlage (Umlage nach §19 Abs. 2 Stromnetzentgeltverordnung)
Seit 2012. Mit dieser "Sonderkunden-Umlage" werden entgangene Erlöse der Netzbetreiber für die (Teil-)Befreiung der Großindustrie vom Netznutzungsentgelt an den Privatverbraucher umgelegt.

Offshore-Haftungsumlage (nach dem Energiewirtschaftsgesetz EnWG, Novelle 2012)
Seit Januar 2013 ist die Offshore-Umlage ein Bestandteil des Strompreises. Mit ihr wird ein Großteil von Schadensersatzkosten, entstanden durch Verzögerungen oder Ausfälle bei der Netzanbindung von Offshore-Windparks, auf den privaten Endverbraucher umgelegt. Die Offshore-Umlage beträgt 0,25 ct/kWh.
Weitere Informationen im Artikel "Was ist die Offshore-Haftungsumlage?".

Umlage für abschaltbare Lasten nach §18 AbLaV
Seit dem 01.01.2014 ein weiterer Bestandteil des Strompreises. Um die Versorgungssicherheit im Stromnetz zu gewährleisten sollen große Stromverbraucher bei "Blackout-Gefahr" ihre Last vorübergehend abschalten. Dafür wird ihnen eine Entschädigung von den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) gezahlt. Die Kosten, die den ÜNB entstehen, werden mit der "Abschalt-Umlage" auf den Letztverbraucher gewälzt.

Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer)
19% vom Nettostrompreis (Summe aus den oben genannten Preisbestandteilen).

Die Strompreisentwicklung 1998 bis 2015

Der BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) hat im Juni 2014 die aktuelle Statistik zur Strompreisanalyse für Haushalte und Industrie veröffentlicht, die im PDF Format auf der Webseite des BDEW downloadbar ist.
Download PDF Strompreisanalyse BDEW Juni 2014

Tabelle durchschnittlicher Strompreis 1998 bis 2015

Durchschnittlicher Strompreis in Cent/kWh für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Stromverbrauch von 3.500 kWh pro Jahr.

Jahr Erzeugung,
Vertrieb,
(Anteil
Netzentgelt)
Konzes-
sions-
abgabe
Strom-
steuer
= Öko-
steuer
KWK
Umlage
§19
Umlage
Offshore
Umlage
Abschalt
Umlage
EEG
Umlage
USt. Strom-
preis
Brutto
ct/kWh
Anteil
Steuern,
Abgaben,
Umlagen
1998 12,91 1,790 - - - - - 0,080 2,33 17,11 24,5 %
1999 11,60 1,790 0,770 - - - - 0,100 2,28 16,53 29,9 %
2000 8,62 1,790 1,280 0,130 - - - 0,200 1,92 13,94 38,1 %
2001 8,58 1,790 1,530 0,200 - - - 0,230 1,97 14,32 39,9 %
2002 9,71 1,790 1,790 0,250 - - - 0,350 2,22 16,11 39,7 %
2003 10,23 1,790 2,050 0,330 - - - 0,420 2,37 17,19 40,5 %
2004 10,82 1,790 2,050 0,310 - - - 0,510 2,48 17,96 39,7 %
2005 11,22 1,790 2,050 0,340 - - - 0,690 2,57 18,66 39,9 %
2006 11,75 (7,30) 1,790 2,050 0,310 - - - 0,880 2,68 19,46 39,6 %
2007 12,19 (6,34) 1,790 2,050 0,290 - - - 1,030 3,29 20,64 40,9 %
2008 13,00 (5,92) 1,790 2,050 0,190 - - - 1,160 3,46 21,65 39,9 %
2009 14,11 (5,80) 1,790 2,050 0,240 - - - 1,310 3,71 23,21 39,2 %
2010 13,89 (5,81) 1,790 2,050 0,130 - - - 2,050 3,78 23,69 41,3 %
2011 13,80 (5,75) 1,790 2,050 0,030 - - - 3,530 4,03 25,23 45,3 %
2012 14,17 (6,04) 1,790 2,050 0,002 0,151 - - 3,592 4,13 25,89 45,3 %
2013 14,42 (6,52) 1,790 2,050 0,126 0,329 0,250 - 5,277 4,60 28,84 50,0 %
2014* 13,87 1,790 2,050 0,178 0,092 0,250 0,009 6,240 4,65 29,13 52,4%
2015** 1,790 2,050 0,254 0,237 0,250 0,009 6,170

Quelle: BDEW, netztransparenz.de; Quelle Netzentgelt: Bundesnetzagentur Monitoringbericht 2013;
*BDEW Stand: 05/2014; **Daten unvollständig

Der Staatsanteil am Strompreis

Wie man der Tabelle entnehmen kann, ist der staatliche Anteil am Strompreis in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Der Staatsanteil umfasst die Abgaben, Umlagen und Steuern. Für das Jahr 2014 wird der staatliche Anteil bei voraussichtlich rund 52% liegen (s. auch Prognosen unten).
Im Artikel "Die Einnahmen des Bunds aus der Strom- und Mehrwertsteuer" haben wir Ihnen die milliardenhohen Einnahmen zusammengestellt, die der Staat in den letzten Jahren aus dem Strompreis erzielt hat.

Grafik Strompreise 1998 - 2013 und Anteile

Strompreisentwicklung 1998-2012

Prognose Strompreis 2013

Laut einer Meldung des Stromvergleichportals Verivox haben zum Januar 2013 schon 728 von 854 Grundversorger ihre Strompreise um durchschnittlich 12% erhöht. Für Februar sollen weitere Versorger Strompreiserhöhungen angekündigt haben.
Ende Dezember 2012 hat das Preisvergleichsportal Check24 die Analyse "Strompreiserhöhungen 2013 nach Bundesländern" (externer PDF Download von check24.de) veröffentlicht. Laut Check24 liegen die Erhöhungen je nach Bundesland zwischen 10 % und 14 %, im Durchschnitt bei 12 %.

Für eine Prognose des durchschnittlichen Strompreises 2013 sind die im Folgenden beschriebenen Bestandteile von Bedeutung:

Die deutliche Erhöhung der EEG-Umlage für 2013 wurde am 15. Oktober 2012 von den Übertragungsnetzbetreibern bekannt gegeben. Sie steigt um fast 47% von knapp 3,6 auf knapp 5,3 ct/kWh. Die starke Erhöhung kommt einerseits durch die Fehlprognose 2012 und den damit verbundenen hohen Ausgleich des negativen EEG-Kontostands zustande, andererseits durch die Erhöhung der Liquiditätsreserve von 3% auf 10%.

Die Öko-Umlage 2013 beträgt 5,277 ct/kWh.

Die §19 StromNEV-Umlage (auch: Sonderkunden-Umlage) zur Entlastung der stromintensiven Industrie ist gestiegen. Hintergrund: Ende 2011 zählten ca. 730 Unternehmen zu den Privilegierten. Durch die EEG-Novelle 2012 dürfte sich die Zahl nach Schätzungen des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. verdreifachen.

Die Umlage nach §19 Abs. 2 StromNEV beträgt 0,329 ct/kWh und hat sich somit mehr als verdoppelt (Wert für 2012: 0,151 ct/kWh).

Auch die KWK-Umlage ist extrem angestiegen. Sie lag 2012 so niedrig, weil Überschüsse aus den Vorjahren verrechnet wurden. In der Mittelfristprognose der Netzbetreiber wurde ein Wert von gut 0,09 ct für 2013 genannt.

Die KWK-Umlage für das Jahr 2013 beträgt 0,126 ct/kWh und liegt damit sogar deutlich höher als in der Mittelfristprognose angegeben.

Die Netznutzungsentgelte werden 2013 steigen. Laut EnergieWirtschaftsGesetz (EnWG) §20 Abs. 1 müssen Betreiber von Energieversorgungsnetzen bis spätestens 15. Oktober die Netzentgelte, oder zumindest die voraussichtlichen Netzentgelte für das Folgejahr im Internet veröffentlichen. Der Energieversorger LichtBlick und das Vergleichsportal Verivox haben sich einen Überblick über die Netzentgelte für nächstes Jahr verschafft.
Ergebnis: Die meisten Netzbetreiber erhöhen das Netzentgelt im Jahr 2013 zwischen ein und 27 %, im Schnitt um 10% (Verivox gibt 13% an). Das entspricht durchschnittlich rund 0,5 ct/kWh. (Das Netzentgelt ist in den Tabellen im Wert "Erzeugung, Vertrieb" enthalten.)

Möglicher durchschnittlicher Strompreis 2013

Berechnung 1

Jahr Erzeugung,
Vertrieb,
(Anteil
Netzentgelt)
Konzes-
sions-
abgabe
Strom-
steuer
= Öko-
steuer
KWK
Umlage
§19
Umlage
Off-
shore
Umlage
EEG
Umlage
USt.
19%
Strom-
preis
Brutto
ct/kWh
Anteil
Steuern,
Abgaben,
Umlagen
2013
14,67 (6,54) 1,79 2,05 0,126* 0,33* 0,25* 5,28* 4,65 29,15 49,7 %

Prognose, Angaben ohne Gewähr.
* fix für 2013 (in ct/kWh): EEG-Umlage: 5,277, §19 Umlage: 0,329, KWK-Umlage: 0,126, Offshore-Haftungsumlage: 0,25

In der Berechnung oben bleibt der Anteil "Erzeugung und Vertrieb" gegenüber 2012 gleich. Für das Netznutzungsentgelt wird eine mögliche Steigerung um 0,5 Cent herangezogen. Hinzu kommen die Erhöhungen der KWK-Umlage, der §19 StromNEV-Umlage und der EEG-Umlage. Die "Offshore-Umlage" ist seit dem 01.01.2013 ein neuer Bestandteil.
Die Berechnung ergibt eine Steigerung des Strompreises um über 3,2 ct/kWh auf über 29,1 ct/kWh brutto. Bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh wären demnach fast 115 Euro mehr zu zahlen.

Berechnung 2

Jahr Erzeugung,
Vertrieb,
Netzentgelt
Konzes-
sions-
abgabe
Strom-
steuer
= Öko-
steuer
KWK
Umlage
§19
Umlage
Off-
shore
Umlage
EEG
Umlage
USt.
19%
Strom-
preis
Brutto
ct/kWh
Anteil
Steuern,
Abgaben,
Umlagen
2013
14,39 1,79 2,05 0,126* 0,33* 0,25* 5,28* 4,6** 28,81 50,1 %

Prognose, Angaben ohne Gewähr.
* fix für 2013 (in ct/kWh): EEG-Umlage: 5,277, §19 Umlage: 0,329, KWK-Umlage: 0,126, Offshore-Haftungsumlage: 0,25
** Schätzung des BDEW

Die zweite Berechnung stützt sich auf den geschätzten Mehrwertsteuerbetrag für den Strompreis 2013 des BDEW von 4,6 ct/kWh. Quelle: Download PDF Strompreisanalyse BDEW Oktober 2012. Über diesen Wert und die fixen Werte der Abgaben/Umlagen kann man für den Bestandteil "Erzeugung, Vertrieb, Netzentgelt" den Wert von 14,39 ct/kWh ermitteln und schliesslich den Bruttostrompreis von 28,81 ct/kWh. Entsprechend ergibt sich eine Strompreiserhöhung um über 2,9 ct/kWh und jährliche Zusatzkosten von gut 102 Euro bei 3500 kWh Jahresverbrauch.

Grafik Strompreise 1998 - 2012 und Prognose 2013

Strompreisentwicklung 1998-2012 und Prognose 2013

So hoher Strompreisanstieg?

Die obige Prognose ist eine theoretische Berechnung. Ob der durchschnittliche Strompreis 2013 für private Haushalte tatsächlich in diesem Maß steigt, hängt allein von den Energieversorgern ab. Diese müssen die Umlagenerhöhungen und höhere Netzentgelte nicht unbedingt 1 zu 1 an ihre Kunden weitergeben. Der Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Dietmar Schütz, erklärte anlässlich der am 15.10.2012 veröffentlichten Höhe der EEG-Umlage, dass die sinkenden Strompreise an der Strombörse bisher kaum an die Verbraucher weiter gegeben würden. Würde man die durch die Erneuerbaren Energien entstandenen Preissenkungen an die Privatkunden weiter geben, "läge der aktuelle Strompreis um rund 2 Cent pro Kilowattstunde niedriger".

Bei Erhöhung Strompreise vergleichen und Anbieter wechseln

Die Verbraucherzentralen empfehlen Verbrauchern einen Strompreisvergleich durchzuführen und sich gegebenenfalls für einen günstigeren Stromtarif zu entscheiden. Weitere Informationen finden Sie im Artikel "Warum Strompreise vergleichen und Anbieter wechseln?"

Energieversorger sind gesetzlich verpflichtet ihren Kunden eine Preisänderung spätestens 6 Wochen vor Inkrafttreten der Änderung schriftlich mitzuteilen. Hat der Kunde laut den Vertragsbedingungen das Recht zur ausserordentlichen Kündigung aufgrund einer Preiserhöhung (schriftliche Kündigung ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist), so muss darauf hingewiesen werden. Weitere Infos: Sonderkündigungsrecht bei Strompreiserhöhung.

Berechnung der persönlichen Strompreisbestandteile

Wenn Sie wissen möchten, wieviel Sie für die einzelnen Strombestandteile in den letzten Jahren gezahlt haben, benutzen Sie einfach den Strompreisbestandteile Rechner von Wie-Energiesparen.Info.