Die EEG-Umlage, Bestandteile und Prognosen ab 2014

Die Strompreise steigen 2013 in Deutschland vielerorts kräftig an. Energieanbieter und Medien machen die EEG-Umlage und insbesondere die Förderung von Solaranlagen und anderer erneuerbarer Energien für die Preissteigerung verantwortlich. Was ist dran?

 

Was ist die EEG-Umlage?

Das Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien (Erneuerbare Energien Gesetz, EEG), das seit 2000 existiert und bisher viermal geändert wurde, garantiert Erzeugern von Strom aus erneuerbaren Energien (EE) die Abnahme und Einspeisung des Stroms, sowie eine garantierte Vergütung über 20 Jahre. Durch das EEG soll der Ausbau der EE gefördert werden.

Mit der EEG-Umlage werden die Förderkosten der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf die Stromendverbraucher verteilt (umgelegt).
Die Erneuerbare-Energien-Umlage ist keine Steuer. Sie ist jedoch ein Bestandteil des Strompreises für Endverbraucher.
Die Abgabe existiert in der aktuellen Form seit 2010. Mit der am 01.01.2010 in Kraft getretenen Verordnung zur Weiterentwicklung des bundesweiten Ausgleichsmechanismus (AusglMechV) wurden die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, EnBW Transportnetze und TenneT zur Vermarktung des Stroms aus Erneuerbaren Energien verpflichtet. Infolge dessen wurde die Berechnung der Umlage grundlegend geändert.

Wie wird die EEG-Umlage berechnet?

Die EEG-Umlage ersetzt die Differenz zwischen den Ausgaben für die Einspeisevergütungen, die an die Erzeuger erneuerbarer Energien gezahlt werden, und den Einnahmen der Netzbetreiber aus der Vermarktung des regenerativen Stroms (die sog. EEG-Differenzkosten).
Jeweils bis zum 15. Oktober eines Jahres muss die Umlage für das folgende Jahr von den ÜNB berechnet und festgesetzt werden. In der Berechnung müssen nach AusglMechV sowohl die Differenz zwischen den tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben zum Zeitpunkt der Berechnung einfliessen, als auch die Differenz zwischen den prognostizierten Einnahmen und Ausgaben für das folgende Kalenderjahr. Die Berechnung stellt also eine Prognose dar, die verschiedene Faktoren und Entwicklungen für das Folgejahr möglichst gut abschätzen muss. Z.B. den weiteren Zuwachs der einzelnen Erneuerbaren, den durchschnittlichen Strombörsenpreis und den Stromverbrauch.
Ist der aktuelle EEG-Kontostand (Einnahmen minus Ausgaben, s. Definition oben) zum Zeitpunkt der Berechnung negativ, wird der entsprechende Betrag als Nachholung auf den Umlagebetrag des Folgejahres aufgeschlagen. Desweiteren wird eine Liquiditätsreserve (Liquiditätspuffer) aufgeschlagen, um eventuelle Prognosefehler aufzufangen.
Auf der Internetseite der Übertragungsnetzbetreiber, eeg-kwk.net, können Sie die Berechnungen und Prognosen für die EEG-Umlage ab 2010 im PDF Format herunter laden. Z.B.: externer Download PDF von eeg-kwk.net: Prognose der EEG-Umlage 2013 nach AusglMechV.

Wie setzt sich die EEG-Umlage zusammen?

Auf den ersten Blick besteht die Abgabe aus drei Komponenten:

  1. die Kernumlage (die tatsächlichen Differenzkosten)
  2. eventuell notwendiger Ausgleich zum Vorjahr (Nachholung bei negativem Kontostand)
  3. eventuelle Liquiditätsreserve (darf max 10% der Kernumlage betragen)

Analysiert man die Umlage jedoch genauer, so kann man Folgendes feststellen:

Der Wert der Umlage setzt sich nicht allein aus den reinen Förderkosten für Erneuerbare Energien zusammen, er ergibt sich vielmehr aus den Förderkosten und verschiedenen Fremdkosten.
Sowohl Förderkosten als auch Fremdkosten lassen sich in einzelne Komponenten zerlegen.

Bestandteile nach Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE)

Der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V. (BEE) hat im Oktober 2012, kurz nach Bekanntgabe der EEG-Umlage für 2013, ein Hintergrundpapier veröffentlicht. Dort werden die einzelnen Faktoren, die zu einem Anstieg der Umlage führen, analysiert und eigene Berechnungen über Zusammensetzung und Höhe der Umlage angestellt.
Externer PDF Download von bee-ev.de: "BEE-Hintergrund zur EEG-Umlage 2013 aktualisiert".
Die Berechnungen des BEE führen zu nahezu demselben Ergebnis wie die Berechnungen für die Prognose der ÜNB, allerdings werden im Hintergrundpapier die Bestandteile aufgeschlüsselt, erklärt und beziffert.
In zwei Punkten weisen die Berechnungen wichtige Unterschiede auf: "Während die ÜNB aufgrund der rechtlichen Vorgaben beim Strompreis mit 5,1 Cent/kWh rechnen müssen („Phelix Baseload Year Futures für 2013“ vom 1.10.11 bis 30.9.12), setzt der BEE hier mit rund 4,3 Cent/kWh den durchschnittlichen Spotmarktpreis an der Strombörse von Januar bis September 2012 und damit den realistischeren Wert an. Im Gegenzug belässt der BEE den Liquiditätspuffer bei 3 Prozent. In der Berechnung der ÜNB steigt der Puffer auf zehn Prozent, um den „vorprogrammierten“ Fehler bei den Annahmen über die Strompreisentwicklung auszugleichen." (aus der Einleitung des Papiers, S. 3).

In der Analyse des BEE setzt sich die EEG-Umlage 2013 aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  1. Reine Förderkosten
  2. Rückgang Börsenstrompreis
  3. Industrieprivileg
  4. Marktprämie
  5. Liquiditätsreserve
  6. Nachholung 2012

Grafik Zusammensetzung EEG-Umlage 2012 und 2013

Bestandteile EEG Umlage 2012 und 2013 nach BEE

Die EEG-Umlage steigt im Jahr 2013 gegenüber 2012 um 1,68 ct/kWh. Wie man der Grafik entnehmen kann, hat der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien daran nur einen Anteil von 0,18 ct/kWh bzw. knapp 11 % (reine Förderkosten, grüner Balken).

Der Nachholungsbetrag 2012 von 0,67 ct/kWh macht dagegen 40 % der Umlagensteigerung aus, der Anteil des Börsenstrompreisrückgangs 21 % und die Privilegierung der Industrie 16 %.

Ausführliche Informationen zu den Bestandteilen Börsenstrompreis, Industrieprivileg (Industrieförderung), Marktprämie, Nachholung und Liquiditätspuffer können Sie dem Hintergrundpapier entnehmen: "BEE-Hintergrund zur EEG-Umlage 2013".

Grafik Zusammensetzung EEG-Umlage 2013 und reine Förderkosten

Bestandteile EEG-Umlage 2013 und reine Förderkosten

Die reinen Förderkosten für Erneuerbare Energien von 2,29 ct/kWh machen laut BEE nicht einmal die Hälfte der EEG-Umlage aus. Der Anteil beträgt nur 44 %, die anderen 56 % sind Fremdkosten.

Die Aufschlüsselung der reinen Förderkosten verdeutlicht, dass gut 60 % (1,38 ct/kWh) auf das Konto von Photovoltaik (Solar) gehen, gefolgt von knapp 28 % (0,63 ct/kWh) für Biomasse-Kraftwerke und knapp 10 % (0,22 ct/kWh) für onshore Windkraft.

Fazit: Der starke Anstieg der EEG-Umlage von 3,59 ct/kWh auf 5,277 ct/kWh kommt nicht durch den weiteren Zubau von Erneuerbaren Energien zustande, sondern durch die Fehlprognose für 2012 und die damit notwendige Nachholung, sowie durch den sinkenden Börsenstrompreis und die zunehmende Industrieprivilegierung.

Kurzanalyse des Anstiegs der EEG-Umlage 2013

Das Öko-Institut e.V. hat nach Veröffentlichung des Umlagebetrags eine "Kurzanalyse des Anstiegs der EEG-Umlage 2013" (externer PDF Download, oeko.de) veröffentlicht, in der die Beiträge einzelner Faktoren zum Anstieg der Umlage (1,68 ct/kWh) gegenüber dem Vorjahr quantifiziert werden.

Entwicklung und Prognosen für die EEG-Umlage ab 2014

Anstieg der EEG Umlage seit 2010

Am 15.10.2013 gaben die Netzbetreiber bekannt, dass die EEG-Umlage 2014 bei 6,24 ct/kWh liegen wird. Weitere Infos dazu finden Sie in unserem Artikel "Die Stromumlagen 2014". Somit hat sich die Umlage für nicht privilegierte Letztverbraucher seit 2010 mehr als verdreifacht!

2010 2011 2012 2013 2014
Umlage in ct/kWh 2,050 3,530 3,592 5,277 6,240

Aktuell existieren mehrere Prognosen für die EEG-Umlage. Dies sind unter anderen die Jahresprognosen der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), sowie die Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI), in Auftrag gegeben von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
"ÜNB Prognose der Bandbreite der EEG-Umlage 2014" (externer PDF Download von eeg-kwk.net)
"ÜNB Prognose der Bandbreite der EEG-Umlage 2015" (externer PDF Download von eeg-kwk.net)
"Mögliche Entwicklung der Umlage zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis 2018" (externer PDF Download von ewi.uni-koeln.de)

Grafik EEG-Umlage 2010 bis 2014 und Prognosen 2014 bis 2018

EEG-Umlage 2010 bis 2014 und Prognosen 2014 bis 2018

Die Grafik zeigt in der dunkelgrünen Linie die Ist-Werte der Umlage von 2010 bis 2014. Die gestrichelte, hellgrüne Linie spiegelt einen korrigierten Verlauf wider. Wie sich 2013 herausstellte, lag die Prognose 2012 weit unter dem benötigten Wert. Die Umlage hätte im Jahr 2012 schon um 0,67 ct/kWh höher liegen müssen, also bei 4,26 ct/kWh. Entsprechend hätte die Umlage 2013 um 0,67 ct/kWh niedriger bei 4,61 ct/kWh gelegen. Bei den anderen Linien handelt es sich um Prognosen, die im Folgenden erklärt werden.

Prognosen der Bandbreite der EEG-Umlage durch die ÜNB

Die gesetzlich vorgeschriebenen Prognosen der Bandbreite durch die ÜNB enthalten jeweils zwei Berechnungen für einen unteren und einen oberen Prognosewert. Diese sind in der Grafik oben durch die orange und die rot gestrichelten Linien dargestellt.
Die untere Bandbreite der EEG-Umlage beträgt für 2014 4,89 ct/kWh und für 2015 5,85 ct/kWh. Die obere Bandbreite beträgt 5,74 ct/kWh für 2014 bzw. 6,86 ct/kWh für 2015. Alle Bandbreitenwerte enthalten die maximale Liquiditätsreserve von 10%.

Prognosen für die EEG-Umlage von 2014 bis 2018 durch EWI

In der Studie von EWI (Energiewirtschaftliches Institut an der Universität Köln) werden drei Szenarien entworfen, welche die möglichen Entwicklungen der EEG-Umlage bis zum Jahr 2018 veranschaulichen sollen. Die Szenarien "niedrig", "Referenz" und "hoch" werden in der Grafik oben durch die hellblaue, die blaue und die violette gepunktete Linie visualisiert.
"Im Referenzszenario werden aktuelle Trends sowie die bestehende Gesetzeslage bis 2018 fortgeschrieben. Die Szenarien „niedrig“ bzw. „hoch“ berücksichtigen entsprechende Abweichungen von den aktuellen Trends und zeigen eine Bandbreite für die Entwicklung der Zusatzkosten bzw. der EEG-Umlage auf." (Zitat aus Studie, 4.1. Szenariendefinition und Rahmenbedingungen, S. 7).
Grundlagen für die Berechnung der Szenarien bilden unterschiedliche Annahmen über die zukünftige Entwicklung der drei Faktoren "Nettostromverbrauch", "Ausbau EE" und "Börsenstrompreise". Weiterführende Erläuterungen zu den Grundlagen und Annahmen finden Sie in der Studie unter Punkt 4.

Tabelle: EEG-Umlage in den Szenarien, Werte in Cent/kWh, Quelle: EWI

Szenario 2013 2014 2015 2016 2017 2018
"niedrig" 5,03 3,90 4,10 4,10 4,12 4,19
"Referenz" 5,33 4,66 4,71 4,83 4,98 5,17
"hoch" 5,74 5,71 5,62 6,15 6,62 7,08