Netzbetreiber warnt vor Stromausfällen

Laut einem Artikel der Financial Times Deutschland vom 17.01.2012 warnt der Chef des Netzbetreibers 50 Hertz Transmission, Boris Schucht, vor der steigenden Gefahr von Stromausfällen, den gefürchteten "Blackouts" in Deutschland. Vor allem in Ballungszentren wie Hamburg und dem Rhein-Main-Gebiet seien die Stromleitungen stark belastet. So arbeite derzeit etwa ein Drittel des Netzes "an der absoluten Belastungsgrenze". Während die Stromnetze vor wenigen Jahren im Schnitt nur während zehn Stunden pro Jahr extrem belastet gewesen seien, seien es zur Zeit bis zu 5000 Stunden, was einer Zeitspanne von fast sieben Monaten pro Jahr entspricht.
Schucht widerspricht somit den jüngsten Aussagen des Chefs der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Dieser hatte vorher Blackout-Befürchtungen gedämpft: "Ich denke, es müsste gut gehen." Kurth räumte jedoch ein, dass es keine letzte Sicherheit gebe.

 

Problem abgeschaltete Atommeiler

Nach Schuchts Ansicht seien vor allem die vorzeitige Abschaltung und Schliessung alter Atomanlagen wie z.B. Krümmel und Brunsbüttel im Großraum Hamburg Schuld an möglichen Engpässen. Das im Bau befindliche und dringend benötigte Kohlekraftwerk Moorburg könne wohl wegen technischer Probleme erst 2014 in Betrieb gehen.
Derzeit sind noch 9 von vorher 17 Kernkraftwerken am Netz. Auch diese werden Stufenweise von 2015 bis 2022 infolge des von der Bundesregierung am 14. März 2011 beschlossenem Atom-Moratorium abgeschaltet werden.

Problem veraltete Solaranlagen

Eine Studie des Ingenieurverband VDI zeigt ein weiteres Problem auf. Veraltete Technik in über 300.000 größeren Solaranlagen könnte bei Überlastungen dazu führen, dass die Anlagen automatisch vom Stromnetz gehen. "Im Extremfall würden sich mehrere Gigawatt abschalten", so der VDI.
Eine Vorschrift, wonach größere Solaranlagen ab zehn Kilowatt umgerüstet werden müssen, ist von der Bundesregierung geplant. Wer die dafür benötigten ca. 600 Millionen Euro trägt ist jedoch noch völlig unklar.